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GesundheitlICHes

Sonntag, 6. September 2009

Lebensfreude

Für alle, denen immer noch "furchtbar" und sowas durch den Kopf geht, wenn sie von meiner Dialyse hören, möchte ich kurz eine Situation beschreiben.

Die Hoffende saß auf ihrem Kissen auf dem Toilettendeckel und war bereits "angekabelt". Vertieft in ein Kreuzworträtsel bekam sie kaum mit, was da im Radio lief:



Die Hoffende begann unwillkürlich, im Rhythmus auf ihrem Kissen rumzuwippen und zu rutschen - der beste Sitztanz aller Zeiten!
Später noch, beim Wegräumen des ganzen Dialysezubehörs sang sie den "Gigolo" vor sich hin.

Also - es ist NICHT furchtbar!!! liebguck

Donnerstag, 3. September 2009

1500 Milliliter

...sind seit heute in meinem Bauch. Ich fühle mich so ein bisschen wie schwanger... *kicher*
Ich hoffe, dass jetzt endlich mal diese blöden, nervenden, immer wiederkehrenden Katheterschmerzen wegbleiben!
Ich hab hier Mittelchen gegen Blähungen, Mittelchen für besseren Stuhlgang, Schmerzmittelchen (au weh) - das kann's aber auf die Dauer nicht sein. Momentan merk ich nix, außer dass der Bauch voll ist.

Nach den katastrophalen 47,6kg, mit denen ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, zeigt die Waage heute 49,1kg. Zu früh gefreut, darin sind 1,5 Liter Dialyseflüssigkeit enthalten (bei den 47,6kg war es aber auch 1 Liter). Effektiv wiege ich jetzt also 47,6kg und habe in einer Woche 1kg zugenommen (alle Flüssigkeiten berücksichtigt). Besser als nix. Und wenn es so weitergeht, habe ich in 13 Wochen mein Wunschgewicht, hahaha!

Übrigens komme ich mit der Handhabung der Dialyse inzwischen prima klar. Es gibt immer weniger Handgriffe, die ich vergesse (weswegen ich mir am Anfang sehr viel öfter die Hände waschen und desinfizieren musste als notwendig). Und ich löse Kreuzworträtsel bis zum Umfallen!^^

Samstag, 29. August 2009

Die ersten Probleme

...nicht ganz appetitlicher Art. Seit ich aus dem Krankenhaus zurück bin, hatte ich noch keinen Stuhlgang. Nun drückt mein voller Darm auf den Katheter und bereitet mir übelste Schmerzen, die nur mit meinen Tröpflein auszuhalten sind (die ich übrigens bei selbigen Beschwerden im Krankenhaus auch bekam).

Eben habe ich gelesen, dass das Essen von jeden Tag einer Kiwi Verstopfungen vermeiden soll. Vor Löffeln voller Leinsamen (die ebenfalls abführend wirken sollen) ekle ich mich irgendwie. Nun hab ich einen Obstsalat vor mir und esse ihn gaaanz langsam und bedächtig (solche "Mengen" Obst habe ich seit einem halben Jahr nicht essen dürfen und ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt darf, aber die Verzweiflung treibt mich dazu). Sobald sich was Minimales regt, renne ich sofort los. Aber am Ende hab ich meist nur ein weiteres Kreuzworträtsel gelöst. traurig

Wenn irgendwer eine Idee hat, wie ich dieses Problem möglichst schnell lösen könnte - her damit!

Dienstag, 25. August 2009

Nun ist das Ende doch abzusehen

Am Donnerstag wird ein LKW bei uns zu Hause vorfahren und jede Menge Material liefern. Man stelle sich die Menge vor, wenn man 14 Playstations und etliches unförmiges Spielezubehör bekommen sollte... Ich glaube nicht, dass der 14-tägige Rhythmus der endgültige bleiben kann. Oder wir müssen anbauen. zwinker

Am Donnerstag werde ich voraussichtlich auch nach Hause dürfen. Die Beutelwechsel klappen schon sehr gut (bis auf den letzten heute, da hat der Pfleger so viel mit mir geredet - freilich über vollkommen andere Dinge). Nun muss ich nur noch den Pflasterwechsel üben und dann geht's heim. Mit dem Pflaster (d.h. deN PflasterN, weil es mehrere sind) wird der Ausgang auf dem Bauch (das Loch, aus dem der Schlauch rauskommt) abgedeckt. Außerdem verhindern die Pflaster, dass gleich die Bauchdecke in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn man mal mit dem Katheter hängen bleibt.

Also ich denke, dass am Wochenende die Fotos folgen...

Heute hatte ich übrigens ein Gespräch mit einer Sozialarbeiterin. Die hat mit mir einen Antrag auf ... (Fachbegriff vergessen) gestellt, so dass ich etwas mehr Geld bekomme. Außerdem haben wir gleich den Antrag auf den Behindertenstatus gestellt. Ich bekomme mit der Heimdialyse auf jeden Fall 100%, das steht schon fest. Für das Arbeitsamt werde ich wohl "eingeschränkt vermittelbar" sein, also mehr als 3 Stunden täglich, aber weniger als 8 Stunden täglich oder unter bestimmten Auflagen. Und die Zuzahlungsbefreiung von der Krankenkasse haben wir angefangen zu regeln. Meine Güte, was auf einmal alles geht - ich wünschte mir diese Akzeptanz auch für Migränekranke, ganz echt!
(Aber ich bin nicht böse, dass ich sie jetzt eben als Dialysepatientin bekomme - besser spät als nie!)

Heute hatte ich auch ein erstes Informationsgespräch über die Transplantation, die natürlich irgendwann mal das Ziel der ganzen Aktion ist - schließlich ist die Bauchfelldialyse zwar super, aber sie ersetzt die Niere eben nur teilweise. Besser ist immer eine richtige Niere.
Das Gespräch war einerseits sehr interessant und aufschlussreich, andererseits für meine Begriffe zu früh (meine Baustelle ist jetzt erstmal, mit der Dialyse richtig klar zu kommen) und auch etwas bedrückend - wenn ich an die ganzen Veränderungen im Zuge der Transplantation denke. Schließlich wird das ganze Immunsystem runtergefahren, man ist fürchterlich anfällig für alle möglichen Infektionen (auch die, an denen man normalerweise nicht erkrankt) und man muss einen ziemlichen Haufen Medis nehmen, die dem Körper ebenfalls zusetzen.

Andererseits habe ich hier eine überglückliche Frau kennengelernt, die Donnerstags transplantiert wurde und am Montag in der übernächsten Woche schon heim durfte. Also keine 14 Tage in der Klinik war. Überhaupt haben bisher alle Transplantierten, die ich getroffen habe, überaus positiv von ihrer neuen Niere berichtet - trotz zahlreicher Krankheiten und Krankenhausaufenthalte.

Egal... ich bin jetzt erstmal 'ne glückliche Dialysepatientin. schattengrins

Sonntag, 23. August 2009

Der Anfang

...er ist gemacht.
Heute um 14 Uhr und ein paar Minuten floss das erste Dialysat in mich hinein. Vorbei die endlos scheinenden Schmerzen des reibenden und stechenden Katheters! Yippieh! liebguck

Am Freitag nachmittag hatte ich die Ehre, mir von einer Schwester zeigen zu lassen, wie das mit den Beuteln mit dem auszutauschenden Dialysat funktioniert. Es gibt dabei unterschiedliche Systeme, meins ist von Fresenius und in meinen Augen am einfachsten zu handhaben.

Da ich weder Bilder von der Bauchfelldialyse noch Berichte aus der ersten Zeit nach der OP im Internet gefunden habe, werde ich das zu meinem neuen Projekt machen. Ich habe schon bissel was fotografiert, z.B. wie der Wundverband direkt nach der OP aussah und wie die Wunde(n) aussahen, als der Verband heute zum ersten Mal abgenommen wurden.

Aber zurück zum Thema. Heute abend 20 Uhr war die Zeit für den ersten Beutelwechsel da. Normalerweise werden 2 Liter Flüssigkeit in den Bauchraum eingelassen, wir haben heute mit jeweils 500 ml angefangen. Wie sagte eine Mitpatientin so schön? "Man wird ja auch nicht an einem Tag schwanger. Der Bauch muss sich erst weiten."
Vom Einlassen der Flüssigkeit habe ich übrigens überhaupt nichts gemerkt. Auch beim normalen Bewegen spüre ich nichts. Springen kann ich noch nicht - 5 Tage nach der OP!

Mir wurde heute mein Tagesplan für morgen offeriert. Alle 2 bis 3 Stunden ein neuer Termin. Am witzigsten ist, dass es 8 Uhr zwei Termine sind, weil ich ja da den Beutelwechsel wieder machen muss. Also Leuts... Im Übrigen ist der andere Termin ein Belastungs-EKG, das ich canceln werde, weil: 5 Tage nach der OP! Ich soll mich überhaupt nicht belasten!

Freitag, 21. August 2009

Lebenszeichen

Ihr Lieben,

vielen Dank für eure Grüße - sie haben mich erreicht, aber mit einer sagenhaften Geschwindigkeit von 0-1kbps konnte ich leider nicht antworten. Aber nun!

Meine OP ist gut verlaufen. Am Dienstag 7.30 Uhr war ich bestellt, bekam ein Beruhigungsmittel, habe geschlafen, wurde schließlich 11.50 Uhr in den OP gerollt, ab 12.00 Uhr verkabelt und dann narkotisiert. Das Letzte, an das ich mich erinnere, war die Antwort auf meine Frage nach der Uhrzeit: "12.10 Uhr".
Die OP an sich soll ca. bis 12.55 Uhr gedauert haben.
Aufgewacht bin ich zum ersten Mal 13.30 Uhr. Das Erste, an das ich mich erinnere, waren tierische Unterleibsschmerzen. Ich versuchte das auch zu sagen, aber irgendwie muss das keiner verstanden haben. Zweiter Versuch um 13.50 Uhr - dieser brachte mir meine erste Infusion von - wievielen eigentlich? - ein.
Des Rätsels Lösung lag nicht sofort auf der Hand, denn ich hatte zeitgleich mit der OP meine Periode bekommen und die Gefühle da unten waren schlichtweg mit Harakiri zu vergleichen.
Im Endeffekt ist der Katheter im Bauchraum schuld, der zwischen den Darmwindungen liegt und mich jeden Verdauungsvorgang mehr als deutlich spüren lässt. Die Blase ist auch überempfindlich und brennt...
Ich hoffe aber, dass ich morgen endlich "befüllt" werde und damit das Leiden aufhört.

Noch am Dienstag besuchte mich mein Schatzi. Eine halbe Stunde Autobahn (einfache Tour) ist es jedes Mal. Da will man eigentlich etwas länger zusammen sein, aber ich war dann einfach todmüde und kaputt...

Am Mittwoch durfte ich - nach negativem Röntgenbefund - endlich wieder aufstehen, aber das endete in einem Kreislaufkollaps. Ei, wie schnell der Pfleger den Kotzbeutel in der Hand hatte, als ich "Mir ist schlecht" sagte! *lach* Heute tut er mir leid, er ist ein netter Kerl. Die Schlechtigkeit war vorübergehend und abends bin ich dann schon mit einem Rollator hier im Krankenhaus die Flure abgelaufen. Nach jedem halben Flur musste ich die Bremsen fest stellen und mich ausruhen...

Das Ereignis des Tages am Donnerstag war der Besuch des angrenzenden Botanischen Gartens, in dem es jede Menge quakende Frösche gibt, die man auch beobachten kann. Einmal was anderes als die Krankenhausmauern sehen und frische Luft atmen... das war echt gut!

Heute hatte ich die erste Typisierungs-Untersuchung. Um auf die Transplantationsliste zu kommen, muss man zu sämtlichen Fachärzten, die man sich denken kann... Den Frauenarzt heute morgen hatte ich wegen Schmerzen ausgelassen, aber mittags ging es dann zum HNO. Die Untersuchung an sich war lachhaft (der Arzt hat in Ohren, Nase und Hals geguckt), aber das Röntgenbild von den Nasennebenhöhlen musste unbedingt noch sein. Tststs...
Am späten Nachmittag kam mein Schatzi und hat mir meinen Wunsch erfüllt und mir die Haare gewaschen. Mit einer frischen OP am Bauch und Schmerzen im Unterleib ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit. Aber wir haben's geschafft und nun habe ich zum ersten Mal wieder richtige Klamotten an (bisher war es nur das Krankenhaushemdchen). Mit Telefon und Läppi am Bett fühle ich mich gerade gar nicht krank (dank Schmerzmittel, die mich hergebracht haben, aber eben gerade ein Segen für mich sind).

Ansonsten ist das Krankenhausleben einerseits öde, andererseits überraschend. Das Essen ist eine einzige Katastrophe. Da ich auf "Leichte Kost" gesetzt wurde, ist es nicht besonders gehaltvoll und schon gar nicht reichlich. Es kann auch während des Essens passieren, dass ein Pfleger ins Zimmer kommt und einen plötzlich zu einer Untersuchung abholen will. - Ooops? - Aber gut, dann muss man halt mit.

Wenig erfreulich sind die Aussichten auf das Ende meines Aufenthaltes hier, denn heute offerierte man mir, dass die eigentliche Dialyse erst am Montag losgeht. Und dann müsste man gucken, was ich für eine Füllung bräuchte und dann könnte man die für die Woche darauf bestellen. Meine Frage: "Und was passiert bis dahin?" - "So lange bleiben Sie bei uns!" Ich werde hier mal jemandem ganz dolle deutlich machen müssen, was das für uns für Kosten verursacht. Abgesehen von 10 Euro Krankenhaustagegeld, das man ja zurückbekommen kann, entstehen durch Benzin und Parkgebühren nochmal 12 Euro für jeden Tag, an dem ich von meinem Schatzi besucht werde. Reiche Leute können sich also mehr Besuch erlauben? Oder sollen sie besser ausgenommen werden? Ich werde mich bemühen, das Dialysezeugs so schnell wie möglich zu lernen und dann hier raus zu sein. Ich muss nächste Woche unbedingt mit meinem Doc reden.

Sonntag, 16. August 2009

Sooo...

Ich verabschiede mich vorsichtshalber schonmal. Muss noch meine Tasche fertig packen und dann in die Heia gehen. Morgen geht's ins Krankenhaus, um das hier zu beginnen. Ich denke, dass ich am Dienstag operiert werde, aber ihr könnt vorsichtshalber auch am Montag nachmittag schonmal an mich denken... zwinker

Ich bin noch ganz gut drauf, habe vor der OP auch überhaupt keine Angst. Dass ich vorher noch 'ne Patientenverfügung geschrieben habe, ist nur der Vernunft geschuldet. Man weiß ja nie.
Das Einzige, das mich jetzt schon nervt, ist das Getrenntsein von meinem lieben butzman. So lange waren wir noch nie getrennt, ganz echt! schattenherz
Diese OP jetzt und alles drum und dran (Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung - meine Güte, woran man alles denken muss!) hat uns heute beschließen lassen, dass wir nun doch nicht unsere selbstgewählte (zugegeben ziemlich lang veranschlagte) Probezeit von 10 Jahren absolvieren, sondern mittelfristig heiraten werden. Gerade in meinem gesundheitlichen Zustand macht das Vieles einfacher.
Dieser Plan ist zwar ziemlich schön, aber das macht mir den Abschied morgen nicht grad leichter...

Ansonsten freue ich mich auf den Dialysebeginn. Endlich wieder unbeschwert Nutella essen und Knoppers und Duplo und Schokolade und Bananen und Tomaten und überhaupt... Für den Tag, an dem ich nach Hause komme, habe ich mir einen leckeren Obstsalat bestellt! Durfte ich bisher alles nicht (Bananen und Nüsse) oder nur in Mini-Mengen (rohes Obst und Gemüse) essen.

Also ich bin sehr optimistisch. Und wenn ich - verkabelt - wiederkomme, werdet ihr alle assimiliert! Ich bin dann Lucuta von Borg! Widerstand ist zwecklos! schattengrins

Im Übrigen bin ich ja in einem Nierenzentrum und nicht in einem herkömmlichen Krankenhaus. Deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass niemand was dagegen hat, dass ich mit meinem Laptop per Stick online gehe. Sobald ich also wieder aufstehen darf nach der OP, werde ich versuchen, mich hier bemerkbar zu machen und euch zu berichten. 'nen Fotoapparat nehme ich auch mit, aber die Bilder gibt's dann erst, wenn ich wieder daheim bin.

Also denn... bis hoffentlich die Tage mal! wink

Sonntag, 9. August 2009

Heute

Kopfaua. Gar nicht mehr gewöhnt, eh. Augis verquollis, Hämmern in der Stirn und Matschigkeit.
Aber ich will nicht jammern - es ist nichts im Vergleich zu meinen Höllenqualen von früher.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Bauchfelldialyse

Wie versprochen, nun ein paar Erklärungen dazu. Anfänglich auch ein paar Worte zu der Dialyseart, die ich nicht mache... einfach als Vergleich. Wem das zu lange dauert, der kann gleich runter scrollen zum fettgedruckten Wort "Bauchfelldialyse".

Also, wie daraus schon hervorgeht: Es gibt 2 grundsätzliche Arten von Dialyse.

Den meisten ist nur die klassische bekannt, die Hämodialyse. Hierfür muss man 3x die Woche in ein Dialysezentrum, kriegt 2 Nadeln in den Arm und dann wartet man ca. 4 Stunden, bis komplett alles Blut aus dem Körper raus und wieder rein gelaufen ist (natürlich nicht auf einmal, sondern immer nur ganz wenig). Wenn sich das Blut außerhalb des Körpers befindet, wird es gegen eine künstliche Membran gedrückt, wodurch die Giftstoffteilchen und alles, was nicht ins Blut gehört, durch die Membran gepresst werden. Praktischerweise sind diese Teilchen kleiner als die, die ins Blut gehören.

Weil das Blut an sich zu langsam fließt (auf der Vene, die angestochen wird, ist zu wenig Druck), muss per OP eine Arterie im Unterarm mit einer Vene verbunden werden (hier gibt's ein Bild und Text dazu). Dadurch wird die Arterie zur Vene, hat aber genausoviel Druck wie vorher. Da bilden sich bei einigen Patienten nach längerer Zeit ganz schöne Gnubbelchen...

Leider erzeugt diese Version der Dialyse ein ständiges Auf und Ab an Giftstoffen im Körper, da diese eben nur 3x in der Woche entfernt werden, dafür aber ziemlich gewaltmäßig. Übelkeit und Schwächeanfälle sind mögliche Folgen. Viele Nieren stellen ihre Funktion dabei komplett ein (also wird auch kein Harn mehr gebildet), die Patienten dürfen dann am Tag nur noch 500ml Flüssigkeit incl. Kaffee und Yoghurts zu sich nehmen (man stelle sich das im Hochsommer vor). Ach ja, und weil die künstliche Membran einige Stoffe nicht filtern kann, müssen viele Patienten eine bestimmte Diät einhalten, die manche ebenfalls als sehr belastend empfinden (wie auch das Durstgefühl).

Für mich hört sich das alles ungeheuer anstrengend für den Körper an. Zumal die Langeweile während der Behandlungen auch nicht zu unterschätzen ist.

Vor allem wegen der Angst vor ständigen Kopfschmerzen (durch das Auf und Ab im Körper) habe ich mich für die Bauchfelldialyse entschieden. Das Bauchfell heißt im Fachjargon Periton, deshalb heißt die Dialyse eigentlich Peritonealdialyse. Bis ich das ausgesprochen habe, verknotet sich meine Zunge!

Die Bauchfelldialyse nutzt das Bauchfell als natürliche Membran (was mir schonmal viel besser gefällt als die künstliche). Alle inneren Organe des Menschen liegen in einer großen, leeren Höhle. Diese ist durch das Bauchfell ausgekleidet. Wenn man nun in diese Höhle eine Dialyseflüssigkeit lässt (eine, die Giftstoffe anzieht), dann gibt das Blut aus dem Bauchfell sein Gift in diese Flüssigkeit ab. Weil die Flüssigkeit regelmäßig gewechselt wird, ist nach einiger Zeit alles Gift entfernt - und das bleibt so, weil die Flüssigkeit durchgehend jeden Tag 4x gewechselt wird. Auch am Wochenende. Es kommt zu keinen Anreicherungen mehr im Körper (Bild und Text dazu).

Dafür muss ein Schlauch in den Bauchraum gelegt werden, ein Katheder. Über diesen kann man dann die Flüssigkeit (2l) in die Bauchhöhle laufen lassen (und auch wieder raus). Jeder Wechsel dauert ca. 30 bis 45 Minuten, aber da man das ja zu Hause macht, kann man fernsehen, auf dem Balkon sitzen, sich unterhalten, bloggen... und wenn man fertig ist, räumt man alles weg und ist wirklich fertig (ohne lästige Autofahrt). Man lebt also sein ganz normales Leben weiter.

Freilich gibt es auch hier negative Seiten, aber: Es sind im Vergleich zur sehr einschneidenden Hämodialyse verschwindend geringe wie z.B. keine körperlich schweren Tätigkeiten, Arbeit nur an Stellen, wo man in staubfreier und möglichst sehr sauberer Umgebung den Beutel wechseln kann. Die Nieren produzieren in den meisten Fällen weiterhin den Harn, essen und trinken darf man auch alles.
Nur vor Infektionen muss man sich absolut schützen. Es dürfen, dürfen, dürfen keine Keime in den Schlauch gelangen! Ansonsten kann man mit einer schmerzhaften Bauchfellentzündung rechnen. Aber auch ansonsten ist das plötzlich in Anspruch genommene Bauchfell viel empfindlicher. Manche Menschen haben ständig Entzündungen und müssen deshalb auf die Hämodialyse umstellen.
Nach ein paar Jahren ist das Bauchfell dann "vernarbt", d.h. es merkt quasi, dass es Bestandteile aus dem Blut verliert (was ja im Normalzustand nicht erwünscht ist) und macht die Zellenwände dichter. Dann kommt es zu keinem Austausch mehr und diese Form der Dialyse ist nicht mehr möglich. Meist ist das nach 4 bis 5, manchmal nach 6 Jahren der Fall.

Für mich bedeutet die Bauchfelldialyse, dass ich bitte vor dem Ausfall des Bauchfells meine neue, funktionierende Niere haben möchte!!! (dringender Wunsch ans Universum!)
Das Badezimmer wird mein Dialyseraum, in dem ich den Anschluss lege. Dafür muss ich das Bad komplett sauber halten (sind eh nur 4m²). Die Tiere werden Zutrittsverbot haben, was für unseren Kater in erster Linie nicht so schön wird, da er immer gerne aus dem Waschbecken trinkt. Wir haben sicherheitshalber ein Türgitter bestellt, damit sich keins der Tiere reinschleichen kann, wenn die Tür z.B. zum Lüften mal offen steht.
Unser Aquarium wird weichen müssen, damit wir Platz für die Lagerung der Dialyseflüssigkeit haben. Diese wird mit allem anderen Zubehör nach Hause (oder an den Urlaubsort) geliefert. Bei 56 Litern pro Woche braucht man da schon etwas Platz.

Ansonsten kämpfe ich noch mit mir, ob ich die Wechsel der Flüssigkeit wirklich alle 6 Stunden machen soll (mir also nachts den Wecker stelle) oder ob ich die Flüssigkeit nachts 8 oder 10 Stunden liegen lasse und die Wechsel dann auf die übrigen 14 oder 16 Stunden aufteile (die Intervalle sind dann relativ kurz und vielleicht sehr nervend). Ich denke, das wird die Zeit bringen.

Im Krankenhaus nächste Woche wird mir der Katheder gelegt. Nach dem ersten Tag kann man vielleicht schon etwas Flüssigkeit in den Bauch lassen, je nach Grad der Wundheilung (das Loch ist ja erstmal eine Wunde). Wenn alles gut geht, kann ich dann bald anfangen, die nötigen Handgriffe selber zu lernen. Nach einer Woche kann ich, sofern ich schnell lerne und es zu keinen Komplikationen kommt, wieder entlassen werden und zu Hause weiter machen.

Dann stelle ich mich nochmal bei meinem Arzt vor und danach gehe ich nur noch alle 6 Wochen zur Kontrolle. Wenn alles gut geht, bleibt es dabei... Freilich habe ich für den Notfall ein paar Telefonnummern hier. Es gibt für Dialysepatienten IMMER einen Ansprechpartner und falls besetzt sein sollte, habe ich sogar die Handynummern der Ärzte in meiner Praxis bekommen.

Wer Fragen hat - ich bin grad up to date - her damit!

So. Und nun hätte ich gerne ein kräftiges Daumendrücken, dass ich zu den Optimalfällen gehöre...

Es geht los...

Meine Werte haben sich wieder verschlechtert (so mies waren sie noch nie). Am 17.08. gehe ich also ins Krankenhaus. Der Arzt meint, mit einer Woche muss ich rechnen. Am ersten Tag sind Untersuchungen, am zweiten Tag die Operation (bei der ein Katheder in den Bauch eingesetzt wird). In den darauffolgenden Tagen muss ich die Anwendung der Dialyseteile lernen, damit ich dann zu Hause alles kann. Wahrscheinlich werden auch schon die ersten Untersuchungen gemacht, die für eine Transplantation nötig sind.

Ich fange nun an, mich von meinem Bauch zu "verabschieden". Er wird nie wieder so aussehen wie vor der Dialyse. Im besten Fall habe ich zuerst einen Schlauch und danach eine Beule (von der neuen Niere).
Naja, das sind rein äußerliche Dinge... beschäftigt mich nicht wirklich. Ich möchte mich nur später nicht ärgern, dass ich meinen "alten" Bauch nicht besonders gewürdigt habe.

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